Bierwissen

Reinheitsgebot, es gibt kaum ein Tasting bei dem dieses Thema nicht zur Sprache kommt, hier ein Überblick:

Im Jahre 1918 hat der bayrische Landtag den Begriff " Reinheitsgebot" das erste Mal benutzt. Die Bayern wollten sich zu den anderen Ländern abgrenzen, u.a. um zu verhindern, daß Bier mit Zuckerzusatz eingeführt wird.
Im 20. Jahrhundert haben sich mehrere deutsche Länder dieser" Bewegung" angeschlossen. Wesentlich hierfür waren aber wohl doch "Marketing-Gründe".

Im Jahre 1993 wurde das vorläufige Biergesetz formuliert ( Steuern, Inhaltsstoffe der Biere, einschl. Hopfenextrakte).Das ganze gipfelt im Tag des deutschen Bieres, der ab dem Jahr 1995, am 23.04. eingeführt wurde. Das Gesetz wurde 2005 aufgehoben, die Vorschrift über Bierinhaltstoffe ( vorläufiges Biergesetz) wurde beibehalten.

Historischer Blickwinkel (siehe auch Wikipedia):

500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot feierten wir im Jahre 2016. Wie ist das denn zu verstehen?

Am 23.04. 1516 wurde im Herzogtum Bayern eine bayrische Landesordnung verabschiedet. Ludwig der X. und Wilhelm der IV. haben in Ingolstadt eine Brauordnung erlassen, die Bierinhalt und Preis regelt.
Es gab mehrere Ursachen für die Notwendigkeit dieser Brauvorschrift, die Quellen sind zum Teil widersprüchlich:
- schlechte Bierqualität bis hin zu Bierfälschungen um Geld zu sparen
- Sicherstellung der Getreideversorgung für die Bäckerzunft d.h. Weizen und
   Roggen gehören ins Brot
- Hopfen soll konservieren und verhindern, daß andere berauschende
   Zutaten (heidnische Ritualpflanzen, Bilsenkraut) benutzt werden. Diesen
   Ansatz könnte man als " frühes Drogengesetz" verstehen.
- auch hier gibt es Stimmen, die nicht die gesundheitlichen Bedenken,
   sondern den Wettbewerbsvorteil im Vordergrund sehen. In
   Norddeutschland wurden Galge und andere Kräuter dem Bier beigesetzt,
   die in Bayern nicht wachsen.
- Hefe wurde nicht erwähnt. Mikroorganismen waren damals nicht bekannt.
   (siehe Spontangärung).

Brauordnungen waren im Mittelalter weit verbreitet und wurden von Ländern, Zünften, Städten erlassen. Eine frühe Verordnung ist aus dem Jahr 1156 der Stadt Augsburg bekannt.

Reinheitsgebot "Heute"

Der Begriff Reinheit hat sich weiter entwickelt, die Technik hat sich weiter entwickelt, Ausnahmen und Kompromisse werden verwendet.
Für untergäriges Bier sind Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser als Zutaten zugelassen. Für obergäriges Bier dürfen weitere Malzsorten, Zuckerstoffe und daraus hergestellte Farbstoffe und Süßstoffe verwendet werden (nicht in Bayern und BW). Es gibt landesspezifische Ausnahmen für die Zubereitung besonderer Biere und für Biere, die in den Export gehen.
Es werden keine Vorgaben zur Qualität der Rohstoffe und zum Herstellverfahren gemacht.
Das Risiko von Pestizidrückständen bei Hopfen und Malz ist gegeben.

Derzeit erlaubte technische Optimierungen im Rahmen des 1993 verabschiedeten Biersteuergesetzes:
- Lebensmittelzusatzstoff Polyvinylpolyrrolidon zum stabilisieren des Bieres
  (unerwünschte Gerbstoffe verhindern)
- Filtration mit Kieselgur oder Kieselsol, die trübes Bier klar machen (Eiweißstoffe binden)
- Einsatz von Hopfenextrakten (Hopfen wird mit Ethanol oder verflüssigtem CO2 extrahiert)
- Leitungswasser wird mit den jeweiligen Mineralien angereichert  (Umkehrosmose)
- Dunkles Bier muss nicht mehr aus dunklem Malz gemacht werden, es  werden ggf.
   Röstmalzkonzentrate heller Biere benutzt

Möglicher Ausblick für das Deutsche Bier
"Aktualisierung des Begriffes Reinheit"

Vom Marketingbegriff zum Deutschland weit anerkannten Regelwerk.  Klare Deklaration der Inhaltsstoffe. Natürliche Früchte und Kräuter sind erlaubt, jedoch nicht als Extrakt.
Künstliche Hilfsmittel die zur Fertigungsoptimierung dienen oder das Mindesthaltbarkeitsdatum ( MHD) verlängern, sollten nicht elaubt sein.